Wissenswertes über Filz
 
1. Wissenswertes über Filz
1.1. Filz - Ursprung und Geschichte
1.2. Filz - Herstellung
1.3. Filz - Eigenschaften und Verwendung
1.4. Filz - Reinigung und Pflege
1.5. Filz - Verarbeitung
1.6. Filz - Sonderanfertigung und Stanzteile
 
 
 
 Wissenswertes über Filz
 
Filz - Ursprung und Geschichte


 
Arche NoahArchäologische Funde, die den Umgang mit Filz dokumentieren, lassen sich frühestens in die Zeit ca. 3000-2700 v.Chr. (jüngere Steinzeit "Neolithikum") zurückdatieren. Bei diesen Funden handelt es sich aber um Reste, die lediglich noch als gepreßte Tierhaare identifizierbar waren. Daß historische gefilzte Gegenstände noch älteren Datums kaum auffindbar sein werden, liegt an seiner ökologischen Eigenschaft, ein gut kompostierbares Material zu sein. Es gibt jedoch zahlreiche Ausgrabungsstätten vor allem im asiatischen Raum, die weit besser erhaltene Filzfunde zu Tage förderten. Obwohl etwas jünger, läßt sich anhand dieser frühen Funde schon die vielseitige Alltagstauglichkeit, aber auch durch die spielerisch-, zeremonielle Verwendung das sehr viel frühere Wissen über die Kostbarkeit des Materials ableiten. So gehen wissenschaftliche Schätzungen davon aus, daß die menschliche Kenntnis von Filz und seiner Herstellung mind. ca. 8000 v. Chr. (mittlere Steinzeit "Mesolithikum") anzusetzen ist. Auch die eine oder andere Ursprungslegende zur Filzentstehung, die natürlich bei verschiedenen Völkern sehr unterschiedlich erzählt wurde, läßt eine sehr alte Geschichte vermuten. 
 
So soll auf der Arche Noah der Filz erfunden worden sein. Die Schafe auf der Arche hatten wenig Platz in Ihrem Pferch und es war im Inneren des Schiffes sehr heiß. Dadurch verloren die Schafe ihre Wolle. Als Noah die Tiere wieder in die Freiheit entlassen konnte, entdeckte er im Schafstall der Arche eine Matte aus Filz. Die Schafwolle war zusammen mit dem Urin der Tiere von den Schafen selbst zu einer festen Matte getrampelt worden. 
 
Eine weitere Legende erzählt, daß der heilige Clemens den Filz auf seiner Flucht vor den Römern aus Alexandrien erfunden hat. Um seine Schmerzen in den Sandalen zu lindern habe er Wolle hineingelegt. Als er Sie wieder auszog, befand sich ein weicher Filz darin. So wurde der heilige Clemens auch der Schutzheilige der Hutmacher. 
 
Die ältesten, gut erhaltenen Filzfunde stammen aus Asien, man fand aus der Zeit ca. 400 vor Christus Gegenstände wie Wandbehänge, Decken, Ringe, Socken und Mützen, diese waren oft reich verziert und mit anderen Materialien, wie Leder und Metallen, kombiniert. Viele der eingesetzten Techniken werden heute noch in Zentralasien eingesetzt. 
 
Man nimmt an, daß die Filztechnik von Karawanen durch die Mongolei nach China gebracht wurde. Filzteppiche sind auch heute noch im Norden von China weit verbreitet.
 
Im 5. Jahrhundert vor Christus wird Filz (griechisch = pilos) in Griechenland als Neuheit beschrieben, welche man von den asiatischen Völkern gelernt habe.
 
Die Römer übernahmen die Filztechnik von den Griechen, sie trugen beispielsweise Filzmützen, sie galten als Symbol der Freiheit.
 
Von diesem Zeitpunkt an hatte das Filzen auch in Europa Fuß gefaßt. Das deutsche Hutmacherhandwerk, welches auch Filzsocken und Kleidung aus Filz herstellte, war im Mittelalter weit verbreitet, so daß auch Gesellen aus dem skandinavischen Gebieten die Filzherstellung und Verarbeitung mit nach Haus brachten, ein Beispiel sind die Filzsocken mit festgenähten Ledersohlen, welche in Norwegen weit verbreitet waren.
 
Industriell gefertigte, warme Kleidung, sowie heizbare Wohnungen ab dem 18. Jahrhundert haben beinahe dazu geführt, daß das Filzen in Vergessenheit geraten war. Während des Zweiten Weltkrieges erlebte die Filzherstellung auf dem Land eine allgemeine Renaissance.
 
Heute entdecken viele Interessierte wieder die Faszination des Werkstoffes Filz, egal ob selbst hergestellt oder aus maschineller Produktion.

Filz - Herstellung


 
Man unterscheidet grundsätzlich bei der Filzherstellung zwischen gewalktem Filz (Walkfilz, Wollfilz) und Nadelfilz.
 
Der wesentliche Unterschied bei den zwei Verfahren besteht darin, daß für Nadelfilz nebst natürlichen auch synthetische Fasern vernadelt werden können, für Walkfilze aber keine synthetische Fasern in Frage kommen, da die Oberflächen dieser Fasern keine Möglichkeit bieten, sich miteinander zu verhaken.
 
Gewalkter Wollfilz
Die Herstellung von Wollfilzen unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von den althergebrachten Methoden. Bei der Herstellung von Hand wird mit warmen Wasser und Seife die Schafwolle solange gewalkt, bis sie verfilzt. Bei diesem Prozeß werden die einzelnen Wollhaare durch die Verwendung von Wärme und Seife zum aufquellen gebracht, so daß die Schuppenstruktur, welche die eines Tannenzapfens gleicht, sich durch reiben und rütteln miteinander verketten. Sie verwirken so zu einem Gewirke, der Filz ist entstanden.
 
Durch die Industrialisierung sind viele Arbeitsschritte mechanisiert und automatisiert worden. Moderne Herstellungsanlagen übernehmen mit Hilfe von Feuchtigkeit, Wärme, Druck und kreisförmigen Bewegungen das Walken des Filzes, damit eine konstante Qualität, Dicke und Dichte entsteht.
 
Je nach Anforderung werden die Filze gefärbt und veredelt, Eigenschaften wie verrottungsfest, wasserabweisend oder antistatisch werten den Filz für die verschiedensten Anwendungen auf.
 
Nadelfilz
Anders als beim Walkfilz werden die Fasern hier mit Nadelplatten aus bis zu 250.000 Nadeln mechanisch miteinander verbunden. Jede einzelne Nadel besitzt Widerhaken, mit Hilfe derer die Fasern in das Gewirke gezogen und so mechanisch verfestigt werden. An der gleichmäßigen Struktur kann man den Nadelfilz erkennen. Nicht nur aus Schafwolle lassen sich Nadelfilze herstellen, auch synthetische Fasern, Kunstgarne und Naturfasern, wie zum Beispiel Kokosfasern lassen sich so zu Filz verarbeiten.

Filz - Eigenschaften und Verwendung


 
Wollfilz aus 100% Schafwolle besitzt Eigenschaften wie:
 
Atmungsaktiv und Klimaausgleichend - große Mengen an Flüssigkeit können aufgenommen werden und anschließend wieder verdunsten, zur Verbesserung des Raumklimas in Gebäuden oder daß Füße in Schuhen und Pantoffeln atmen können, im Sommer bleiben sie kühl und im Winter schön warm, etc.
 
Große Isolierfähigkeit auf Grund seiner Faserstruktur - Wärme- und Kältedämmung z.B. von Bauteilen in Geräten, Anlagen und Gebäuden, etc.
 
Lärm- & Schwingungsabsorbierend - Schallübertragung wird reduziert zwischen Bauteilen in Fahrzeugen oder zwischen Maschinen und Gebäudeboden, als Polsterung von Stühlen und anderen Möbeln, etc.
 
Schutz vor Schmutz und Beschädigung - als Staubschutz bei Kugellagern, Transportschutz für empfindliche Güter, zum Schutz Ihres Pferdes als Satteldecke, etc.
 
Temperaturbeständig, je nach Veredelung sogar nicht brennbar - zur Verwendung als Topflappen oder technischen Bauteilen wie Dichtungen im Brennofen, etc.
 
Schmier- und Dichteigenschaften - zur gleichmäßigen Verteilung von Schmierstollen und Ölen im Bereich des Maschinenbau einsetzbar, zum Dichten und Abstreifen von Wellen in allen technischen Anwendungen geeignet, etc.
 
Reines Naturprodukt - biologisch abbaubar, ohne chemische Zusätze hergestellt, ist außer bei Tierhaarallergie sehr hautverträglich.
 
Filz als Rohstoff wird fast allen Branchen, in der Industrie und in privaten Haushalten in den verschiedensten Formen und Anwendungen benutzt und eingesetzt.
 
Filz als Naturprodukt kann im Rahmen der DIN-Norm 61200 chargenweise leichte Abweichungen aufweisen. Die betrifft insbesondere die Farben, welche vom Grundton immer leicht abweichen können. Die größten Abweichungen betrifft den naturmelierten Filz der Farbnummer 200, dieser Ton kann je nach der verarbeiteten Schafwolle von hellgrau bis graubraun variieren.
 
Ebenfalls kann es bei der Produktion vor allem bei den hellen Filzen, wie gelb, wollweiß, etc. , vorkommen, daß es zu Einschlüssen von dunklen Wollfasern, sowie von Vegetalien wie z.B. Stroh, etc. kommen kann.
 
Auch die Oberfläche, sowie die Dicke des Filzes kann im Rahmen der DIN-Norm 61200 unterschiedlich sein.
 
Dies ist ausdrücklich kein Reklamationsgrund und stellt nur die Einzigartigkeit und Natürlichkeit des Rohstoffes Filz dar.
 
Mit unserem Sortiment bieten wir Ihnen die Grundlage für Ihre Ideen aus Filz. Sie finden Anwendungsbeispiele in den jeweiligen Artikelbeschreibungen.

Filz - Reinigung und Pflege


 
Grobe Verschmutzungen, wie z.B. Staub, werden durch regelmässiges Ausbürsten entfernt, damit wird auch ein mattes Aussehen des Gewebes verhindert. Für die dünneren, empfindlichen Filze verwenden Sie zusätzlich einen feuchten Schwamm.
 
Waschen können Sie den Filz am Besten mit Handwäsche (bitte dabei nicht reiben und wringen) oder im Wollwaschgang (Schongang) in der Waschmaschine bei max. 30°C mit einem Wollwaschmittel. Nie Voll-, Colorwaschmittel oder Gewebeveredler verwenden. Vorsicht: bei hohen Temperaturen neigt Wolle, bzw. Filz zum Verfilzen und einlaufen.
 
Chemische Reinigung ist nicht zu empfehlen, da diese den feinen Wollfasern ihre schützende Fettschicht entzieht. Im Zweifelsfalle bei hartnäckigen Flecken berät Sie Ihre Reinigung Ihres Vertrauens.
 
Zum Trocknen wird der Filz am bestem auf ein trockenes Frotiertuch in Form gelegt, damit er bei Raumtemperatur abtrocknen kann. Die Verwendung eines Wäschetrockners ist, außer dem Anschleudern von max. 30 - 60 Sekunden, nicht möglich. Dies führt zu einer weiteren Verfilzung des Gewirkes, der Filz läuft weiter ein und verliert die Form. Ebenfalls darf keine direkte Wärmequelle, wie Heizung, Wärmestrahler, etc., eingesetzt werden. Wolle braucht Zeit zum Trocknen.
 
Wenn Sie diese Regeln beachten, haben Sie viel Freude an Ihren Produkten aus Filz.

Filz - Verarbeitung



Schneiden läßt sich Filz am Besten mit Schere, Skalpell oder Teppichmesser. In der Regel müssen die Schnittkanten nicht versäubert werden. Je nach Beanspruchung empfiehlt sich eine Verkettelung der Schnittkanten, z.B. Filz als Läufer.

Vernähen kann man entweder mit der Hand, wie auch mit der Nähmaschine. Bei Filzdicken ab 5 mm sollte eine industrielle Profi-Nähmaschine zum Einsatz kommen.

Ohne Probleme kann Filz auch vernietet und gestanzt werden.

Für das Verkleben und Verleimen von Filz ist es wichtig, daß immer der Kleber Verwendung findet, welcher für den Einsatzzweck (z.B. Feuchtraum, technische Festigkeit, etc.) und für den Untergrund (z.B. Holzleim bei Verklebung auf rohen Spanplatten oder Holz, etc.) geeignet ist. Für die meisten Anwendungen hat sich Kontaktkleber, zum Sprühen oder zum Streichen, am Besten bewährt.

Wichtig beim Kleben von Filz ist, daß genügend, aber nicht zuviel Kleber aufgetragen wird, um die Haftkraft zu gewährleisten und ein Durchdrücken des Klebers durch den Filz vermieden wird.

Selbstklebende Filze und Filzstreifen sind bereits mit einer Klebeschicht ausgestattet. Geeignete Untergründe zum Bekleben von Selbstklebefilzen sind glatte Oberflächen, wie Metalle, lakierte Flächen, glattes Holz, hochenergetische Kunststoffe (z.B. ABS, Polycarbonat, Hart-PVC, etc.), Stein und Glas.

Die zu verklebenden Flächen müssen trocken und sauber sein, Staub, Fett, Öl und Trennmittel, sowie Feuchtigkeitsniederschlag müssen mit geeigneten Mitteln entfernt werden. Die Reinigung erfolgt am besten mit sauberen Tüchern unter Verwendung von materialverträglichen Mitteln, wie z.B. Benzine, Alkohole, etc. Auch lockere Anstriche und Deckschichten müssen entfernt werden.

Um einen vollflächigen Andruck zu gewährleisten, empfiehlt sich der Einsatz von Andruckrollen und Flächenpressen. Die volle Klebekraft erreicht der Selbstklebefilz nach mindestens 24 Stunden.

Filz - Sonderanfertigung und Stanzteile


 
Wir bieten Ihnen ein reichhaltiges Angebot von Filzprodukten in den gängigsten Maßen und Ausführungen, sowie Meter- und Plattenware zum Selbstzuschnitt an.
 
Sollten Sie dennoch für Ihr Projekt spezielle Anforderungen an unseren Filz stellen, wie Sonderzuschnitte, Stanzteile nach Ihren Vorstellungen, usw., dann bitten wir Sie folgendes zu beachten:
 
- Der Aufpreis bei Zuschnitten beträgt ca. 30 - 50 % vom Grundpreis der Standardware, je nach Aufwand und Verschnitt
- Bei Zuschnitten können Toleranzen von +/- 5 mm an den Schnittkanten auftreten, dies ist kein Reklamationsgrund
- Bei Stanzteilen fallen einmalige Werkzeugkosten für das Stanzwerkzeug von ca. EUR 200,00 an, die Lebensdauer eines Werkzeuges beträgt ca. 10000 - 15000 Stanzungen
- Lieferung, bzw. Fertigungsbeginn von Sonderanfertigungen erfolgen erst nach Eingang und Gutschrift Ihrer Zahlung per Überweisung auf unser Konto, die durchschnittliche Lieferzeit beträgt ca. 12 - 14 Tage nach Zahlungseingang
- Filzzuschnitte und Stanzteile nach Kundenwunsch sind vom Umtausch ausgeschlossen
 
Bei Interesse senden Sie uns per Mail folgende Angaben zu:
 
- gewünschte Filzsorte, - dicke, und - farbe
- gewünschte Maße in cm und Anzahl (folgende Staffelung der Angebote sind möglich: 1 bis 99 Stück, ab 100 Stück, ab 500 Stück, ab 1000 Stück, ab 5000 Stück)
- bei Stanzteilen legen Sie bitte eine Zeichnung oder Bild mit den entsprechenden Maßen im jpg- oder bmp-Format bei
- vollständige Liefer- und Rechnungsanschrift, sowie Telefon-Nr. und E-Mail-Adresse
 
Nach Erhalt Ihrer vollständigen Angaben erstellen wir Ihnen gerne ein unverbindliches Angebot. Bitte haben Sie Verständnis, daß wir bei unvollständigen Anfragen von einer Bearbeitung absehen.

 
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